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Arbeitsalltag vom 27. September 2002 Alle Bilder auf dieser Seite können durch anklicken vergrössert werden und sind mit einer kurzen Beschreibung versehen.
Liebe Freunde,
hoffe es geht Euch allen gut. Nachdem ich nun schon ein halbes Jahr in Togo bin, möchte ich Euch heute etwas über meine Arbeit
schreiben – Ihr glaubt sonst noch ich sei hier im Urlaub. In den ersten beiden Monaten hatte ich damit zu tun mir einen Überblick zu verschaffen und erstmal Ordnung zu machen. „L’ordne fait
gagner du temps“ – Ordnung bringt Zeitgewinn. Diesen Leitspruch hing ich gleich zu Beginn in großen Lettern in meinem Büro auf und meine afrikanischen Kollegen runzelten die Stirn. Nachdem alles an
seinem Platz war konnte die Arbeit richtig beginnen. Mein Aufgabe ist zweigleisig angelegt: Zum einen arbeite ich an zwei Schulen (einer Berufsschule und einer Kunsthandwerkerschule) als Berater für das
duale Ausbildungssystem und zum anderen bin ich hier so etwas wie ein Wirtschaftsförderer. Das deutsche duale Ausbildungssystem bietet den Vorteil einer praxisnahen Ausbildung, da der Lehrling im
Betrieb ausgebildet wird und nur einmal pro Woche zur Berufsschule geht um theoretische Schulung zu erhalten. Anders das französische System, welches in Togo vorherrscht. Die jungen Leute machen ihre
Ausbildung komplett in einem Schulzentrum und gehen erst nach dieser, bereits als Geselle, in die Wirtschaft. Man versucht das duale System in Togo einzuführen, es gibt da allerdings große Probleme.
Z.B. bekommt ein Lehrling hier keinen Lohn von seinem Lehrmeister, sondern muss sogar für die Ausbildung bezahlen. Nicht selten sieht die Belegschaft eines kleinen Betriebes so aus: 1 Chef / 20
Lehrlinge – die Ausbildung ist ergo nicht sehr gut. Das groesste Problem ist jedoch der chronische Geldmangel in allen Bereichen des Lebens und so natürlich auch in der Schule. Die knappen
Entwicklungshilfegelder wollen auch mit Bedacht eingesetzt werden, da es Korruption gibt, aber die gibt es ja auch bei uns. Es ist also schwierig in diesem Bereich etwas zu tun und ich muss versuchen
Gelder, Werkzeuge, Maschinen in der Heimat zu organisieren. Denkt also darüber nach was Ihr mit Ausrangiertem macht. Den anderen Arbeitsbereich möchte ich anhand eines aktuellen Beispieles
schildern. Ich fand hier in Kpalimé keine Strukturen einer Handwerkerorganisation vor. D.h. so etwas wie eine Innung oder Handwerkskammer gibt es nicht. Bin also erstmal in die Betriebe gefahren und
habe so eine Art Handwerkerstammtisch für einige Gewerke ins Leben gerufen. Wo sich unterhalten und ausgetauscht wird passiert auch was. Bei den Autowerkstätten des Ortes kam heraus, dass keiner der
Betriebe in der Lage ist die Einspritzanlage eines modernen Motors zu reparieren. In Togo fährt man die alten, zu Wucherpreisen verkauften, Autos (und Schrottautos) aus Deutschland und inzwischen
verdrängen die Einspritzmotoren nach und nach die Vergasermotoren. Ist eine Einspritzanlage defekt, wird kurzerhand ein Vergaser draufgebaut – die Autos laufen dann gut oder laufen nur langsam oder
laufen nicht. Nachdem feststand an was es mangelt, konnte ich dem DED die 500,- Euro für eine Fortbildung abringen und fand auch einen Spezialisten, der den Kurs durchführt. Und was für einen. Bruder
Markus Schillings SVD ist deutscher Missionar des Steyler Ordens und leitet eine katholische Autowerkstatt in Sokodé im Norden Togos. Der sympathische Kfz-Meister passt so gar nicht in das Bild, dass
man vielleicht von einem Missionar hat, wer erwartet da einen Handwerks-Fachmann? Er entwickelte einen Lehrgang, der genau auf den Bedarf Togos zugeschnitten ist – effizientes Arbeiten mit einfachsten
Mitteln. Mit einem simplen und billigen Multimeter lassen sich die meisten Defekte reparieren und die 15 Unternehmer nahmen mit großem Engagement an dem einwöchigen Kurs teil. Das beigelegte Foto zeigt
den Missionar mit den Teilnehmern am Übungsmotor. Die Frau mit dem Baby ist Phylomène Gadah, die wohl einzige Frau Togos, die eine Autowerkstatt betreibt. Sie hatte kein Geld für einen Babysitter und
brachte den 3 Monate alten Mawulolo einfach mit. Bruder Markus übernachtete während des Lehrgangs bei mir und wir füllten die warmen afrikanischen Abende mit interessanten Gesprächen und tauschten
Neuigkeiten aus dem Busch aus.
Mir geht es hier gut und ich sende Euch allen
liebe Grüsse
Togomas
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