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Besuch im Fischereihafen von Lomé am 26. April 2002 Alle Bilder auf dieser Seite können durch anklicken vergrössert werden und sind mit einer kurzen Beschreibung versehen.
Liebe Freunde,
hoffe es geht Euch allen gut. Ich habe jetzt die ersten 2 Wochen in Togo hinter mir und kann schreiben, dass ich mich wohl
fĂŒhle. Die Klima- und die ErnĂ€hrungsumstellung habe ich gut verkraftet. Mein Körper befindet sich in gewohnt zufriedenstellendem Zustand, was wegen dem Wetter und der, dem Organismus unbekannten
Bakterien in den schmackhaften Speisen, nicht unbedingt zu erwarten war. Auch der stĂ€ndige Schweissfilm auf der Haut ist nicht mehr unangenehm. WĂ€hrend der letzten 2 Wochen haben wir viel von Togoâs
Hauptstadt Lomé kennen gelernt. Die Vormittage verbringe ich mit Französischunterricht und an den Nachmittagen erkunden wir zusammen mit Monsieur Theophile, der uns so sensibel in die afrikanische
Seele einfĂŒhrt, die Stadt. Mein Französisch ist inzwischen so gut, dass ich wohl nicht mehr verhungern mĂŒsste. An den Nachmittagen gibt es ja auch stets gute Gelegenheit, um im echten Leben zu ĂŒben,
wie etwa vergangene Woche im âPort de PĂȘcheâ, dem Fischereihafen von LomĂ©. Dieser Hafen und Fischmarkt birgt eine total verkehrte Welt â hier werden die MĂ€nner von den Frauen ausgebeutet!
Nicht nur in dieser Kultur, in der die Hauptarbeitslast auf den Frauen ruht, ist das bemerkenswert. Und so funktionierts: Die Frauen sind EigentĂŒmer der Boote, auf welchen Ihre MĂ€nner raus fahren und
Fische fangen. Kommen die MĂ€nner zurĂŒck, mĂŒssen sie den Fang abliefern, welchen ihre Frauen dann direkt am Hafen auf dem Markt verkaufen. Der Gewinn gehört den Frauen. Wenn wieder genug Geld zusammen
gespart ist, wird das nÀchste Boot gekauft. Die MÀnner bekommen Essen, ab und an auch ein wenig Geld. Dabei ist der Job auf so einem Fischerboot sehr gefÀhrlich - obwohl ich ein, nicht
ungefĂ€hrliches, Jahr auf einem Unterseeboot zur See gefahren bin, wĂŒrde ich nicht mit so einem âNoch-Ăberwasserbootâ rausfahren. Diese haarstrĂ€ubenden offenen Boote fallen schon fast auseinander,
aber die Fischer mĂŒssen meist 2-3 Tage draussen bleiben, um etwas in den ĂŒberfischten GewĂ€sser zu fangen und so die karge Existenz der Familie zu sichern. Die Frauen sitzen dann mit der ganzen
Familie, auch Alten und kleinsten Kindern am Hafenbecken und warten auf ihre RĂŒckkehr. Man stelle sich mal folgenden Vergleich vor: Alle Wildunger Taxiunternehmen gehörten Frauen, welche ihre
EhemĂ€nner, Söhne und anverwandten MĂ€nner mit Schrottreifen VW-KĂ€fern auf Tour schickten, das Geld kassierten wenn diese zurĂŒckkĂ€men und ihnen nur manchmal etwas Taschengeld, aber dafĂŒr tĂ€glich
etwas zu Essen gĂ€ben. Leider ist das ein hinkender Vergleich zu der bitterharten afrikanischen RealitĂ€t in welcher es ja sonst andersrum lĂ€uft â in dieser Kultur nehmen die Frauen fast ausnahmslos
die Stelle der Fischer ein. Sie mĂŒssen oft 14 Stunden arbeiten und nicht selten die Familie völlig allein ernĂ€hren. Die MĂ€nner sitzen dann mit der ganzen Familie im Garten und warten darauf, dass
ihre Frauen von der Arbeit kommen, um Essen zu kochen. Die beiden Fotoâs zeigen eine wartende Fischerfamilie und Monsieur Theophile, wie er Isabella die Geschichte der Fischerfrauen von LomĂ© erzĂ€hlt.
FĂŒr die nette Isabella Degenhart, welche mit mir in der Vorbereitung ist, war das natĂŒrlich besonders interessant, denn sie wird ja im Genderbereich arbeiten, dem Bereich, der sich mit einem
gerechteren Umgang von MĂ€nnern und Frauen befasst. Nach diesem interessanten Besuch dachte ich noch eine Weile ĂŒber die âGender-Situationâ in Deutschland nach und war froh, dass meine Nase durch
den beissenden Fischgeruch keinen bleibenden Schaden genommen hatte. Es gab dann am Abend auch keinen Fisch, sondern noch den Rest einer stracken ahlen Wurscht, welche mir meine liebe Familie eingepackt
hatte.
Die Situation mit meinem Internetzugang ist immer noch nervend schlecht, ausserdem ist die Anraffer Wurscht alle. Naja, wenn
sonst schon nichts ist...
Mir geht es hier gut und ich sende Euch allen
liebe GrĂŒsse
Togomas
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