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Conscience Jeunesse 11/03

Conscience Jeunesse vom 10. November 2003
Alle Bilder auf dieser Seite können durch anklicken vergrössert werden und sind mit einer kurzen Beschreibung versehen.

Liebe Freunde,

hoffe es geht Euch allen gut. Am 3. November waren alle Vorbereitungen in den 3 Berufsschulen Kpalimés beendet und das AIDS-Projekt „Conscience Jeunesse“, sinngemäß übersetzt etwa „Jugend, sei wachsam!“, konnte starten. Viele Freunde, Bekannte und Leser der WLZ (Waldeckische Landeszeitung) trugen mit Spenden in Höhe von insgesamt 1.200,- EUR zu der Realisation bei. Mit einem weiteren Zuschuss von 1.800,- EUR durch den Verein Hilfe für Togo e.V. aus Waldstätten, war das Startkapital beisammen.
Bereits im vergangenen Dezember und Januar wurde bei Arbeitstreffen mit meiner Kollegin Line Göttke, Querschnittsberaterin im Bereich AIDS des DED (Deutscher Entwicklungsdienst) in Togo, der Grundstein für Conscience Jeunesse gelegt. Erschreckende Dunkelziffern über die AIDS-Infektionsrate bei togoischen Jugendlichen, veranlassten uns etwas für die 850 Schüler der 3 Schulen meines Verantwortungsbereiches zu unternehmen. Von 25%, ja sogar bis zu 40% Infizierter in der Altersgruppe 15-25 Jahre war da aus ernst zunehmenden Quellen zu hören. In diesem Alter ist die höchste sexuelle Aktivität zu verzeichnen. Schlichtweg Unwissenheit über Sexualität, AIDS, Übertragungswege und den Umgang mit dem letztendlich einzigen Schutz, dem Kondom, führen zu einem immer rascheren Ausbreiten von AIDS. Es muss also speziell bei dieser Schlüsselgeneration das nötige Wissen vermittelt werden.
Das System des „Pair Educateurs“, des Beraters unter seinesgleichen, ist hier die effektivste Möglichkeit. Dabei werden aus jeder Klasse ein bis zwei Schüler bzw. Schülerinnen auf einer Fortbildung zu Pair Educateuren ausgebildet, um dann die Beratung und Aufklärung ihrer Mitschüler zu übernehmen. Der große Vorteil des Systems liegt darin, dass die Hemmschwelle über Sexualität zu reden unter Angehörigen der selben sozialen Gruppe am niedrigsten ist. Ein Herankommen an die Schüler ist somit am Besten gewährleistet. Die in Kpalimé ansässige Organisation „Actions Jeunesse Avenir“, AJA, hat auf diesem Gebiet bereits eingehende Erfahrungen gesammelt und konnte von uns für die Durchführung und Begleitung des Projektes engagiert werden.
Am 19. und 20. September wurden 4 Lehrer der Schulen zu Superviseuren, Ansprechpartnern und Beratern für die Pair Educateure ausgebildet, um bei aufkommenden Fragen und Problemen Hilfestellung geben zu können. Im Oktober wurden dann durch Tests 11 Mädchen und 15 Jungen ausgewählt, um an der Fortbildung vom 27. Oktober bis zum 1. November teilzunehmen. Inhalte der Fortbildung waren z.B. Sexualkunde, AIDS und seine Folgen, wie führt man Aufklärungsgespräche oder etwa die richtige Anwendung eines Kondoms. Hierzu bekam jeder einen Holzpenis, um damit die Benutzung eines Kondoms unter den Mitschülern vorführen und üben lassen zu können.
Ein weiterer Wichtiger Punkt des Systems ist der Verkauf von Kondomen durch die Pair Educateure. In Togo werden Kondome von einer amerikanischen Organisation subventioniert und so kostet das Päckchen im Laden nur etwa 7 Cent – zu viel für die meisten Jugendlichen. Ich schätze, dass mindestens die Hälfte der Schüler nicht jeden Tag die nötigen 15 Cent hat, um am Mittag in einer der vielen Straßenküchen eine Mahlzeit zu essen. Wer bis zu 15 km zu Fuß in die Schule geht, kann auch nicht am Mittag zu Hause essen. Togo hat Ganztagsschulen und so wird am Nachmittag mit Hunger und leerem Magen mehr schlecht als recht gelernt. Das nötige Geld für Kondome, für den Schutz vor AIDS, ist im Grunde also nicht vorhanden. Ich habe mich daher entschlossen die Kondome kostenlos an die Pair Educateure abzugeben, welche ihrerseits nun 1,5 Cent (die bringt jeder auf) für das Päckchen à 4 Stück von ihren Mitschülern verlangen dürfen. Dadurch entsteht für die Einen ein Anreiz zu verkaufen und, sehr wichtig, für die anderen ein Anreiz zu benutzen, denn wer Geld für Kondome ausgibt, der wird auch Gebrauch davon machen. Zurzeit der Fortbildung war eine Delegation von Hilfe für Togo e.V. in Kpalimé zu Besuch und der Vorsitzende des Vereins, Anton Weber, stellte spontan weitere zusätzliche 180,- EUR zur Verfügung, wovon 24.000 Kondome gekauft wurden. 12.000 wurden bereits in den ersten 14 Tagen verkauft. Ein toller Erfolg, auch wenn sicherlich einige Banditen unter den Pair Educateuren ihre Geschäftchen mit Apotheken oder Geschäften machen. Dieses Risiko ist meiner Ansicht nach aber zu vernachlässigen, denn letztendlich werden die Kondome ja gekauft, wird sich also damit vor AIDS geschützt. Die gesicherte Finanzierung des Kondomverkaufs steht zwar noch nicht, aber ich bin zuversichtlich.

Allen die gespendet haben möchte ich, vor allem im Namen der Schüler aus Kpalimé, ganz herzlich für ihren Beitrag danken.

Ich sende Euch liebe Grüße

Togomas       

 

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