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Interview mit Yao vom 27. April 2003 Alle Bilder auf dieser Seite können durch anklicken vergrössert werden und sind mit einer kurzen Beschreibung versehen.
Liebe Freunde,
hoffe es geht Euch allen gut. Heute möchte ich Euch keinen Brief senden, sondern ein Interview mit Herrn Yao
Faustinus Glikpo, welches sicher ein paar interessante Einblicke in das Leben eines Afrikaners gibt. Herr Glikpo arbeitet in meinem Haus als Hausmeister und stammt aus dem 300 km entfernten Keta in
Ghana. Keta liegt am Meer und ist eine Stadt in der Region, in welcher der Ewe-Stamm beheimatet ist. Dieser bevölkert den Süden Togos und den Südosten Ghanas, und gilt als besonders freundlich, da er nie
ein kriegerischer Stamm war. Die Ewe waren auch die Ersten, die in Kontakt mit den deutschen Kolonialherren kamen und fühlen sich uns Deutschen tief verbunden. Sie sind zu uns ganz besonders
liebenswürdig, obwohl die Deutschen, wie alle Kolonialmächte, teilweise brutal mit ihnen umgingen. Herr Glikpo ist 44, verheiratet und hat 4 Kinder. Die Familie, die in Keta lebt, wird alle 6 bis 8
Wochen von Herrn Glikpo besucht. Er verdient bei mir 75,- EUR im Monat, was etwa das dreifache des durchschnittlichen Gehaltes in Togo ausmacht und etwa die selbe Summe wird für das Arbeitsende zurück
gelegt. Sozialversicherungen gibt es nicht und so kommen ab und an noch Kosten für die Gesundheitsversorgung hinzu. Ich habe das Interview, das in Englisch geführt wurde, so unverfälscht wie möglich
übersetzt. Während des Interviews hatte ich den Eindruck, dass Herr Glikpo regelrecht darauf brannte endlich mal zu sagen was Ihn bewegt. Es ist einfach nicht üblich, dass jemand aus unserer Welt wissen
will, welche Meinung die Menschen hier haben. Er hat die Chance jedenfalls genutzt und so etwas wie den Anfang eines Dialogs gemacht.
Thomas Herr Glikpo, was glauben Sie, was die Menschen in meiner Heimat an Ihnen interessieren könnte?
Yao Glikpo Wie ich lebe und welche Probleme ich habe.
Thomas Gibt es etwas was Sie an den Menschen in meiner Heimat interessiert, über das Sie etwas wissen
möchten?
Yao Glikpo Ihre Kultur. Und Außerdem würde ich gerne wissen, was die Farben in der deutschen Nationalflagge
bedeuten.
Thomas Wie leben Sie in Keta?
Yao Glikpo Zuerst lebten wir in dem Haus des Großvaters meiner Mutter, der einst von der See genommen
wurde, aber als die Kinder kamen wurde es zu eng und wir zogen in das Haus der Tante meiner Frau. Das hat zwei Räume. Küche oder Bad gibt es nicht. Wir leben da mit der Tante und einer Schwester meiner
Frau. Das Haus liegt an einer Lagune.
Thomas Wie sah Ihre Schulzeit und Ihr bisheriges Arbeitsleben aus?
Yao Glikpo Ich ging für 10 Jahre zur Schule. Wir hatten Geschichte, Geografie, Mathematik, Fußball und
Sprachunterricht in Englisch und Ewe. Geschichte, Geografie und Fußball waren meine Lieblingsfächer. Nach der Schule nahm mich eine Tante nach Ho, das liegt 200 km nördlich, wo ich Buchführer lernen
sollte, aber nach zwei Jahren war die Firma pleite und ich fuhr nach Lagos in Nigeria, wo ich dann zwei Jahre lang Maler lernte. Danach ging ich nach Lomé in Togo und beendete die Malerlehre in einer
Farbenfabrik. Anschließend arbeitete ich als Tagelöhner und begann 1991 für einen Deutschen als Hausmeister zu arbeiten. Das mache ich ja noch heute. Leider habe ich nie Deutsch gelernt, aber mein
Großvater konnte noch Deutsch.
Thomas Was haben Sie für Pläne für die Zukunft?
Yao Glikpo Ich würde gerne eine kleine Geflügelzucht aufbauen und mir eine elektrische Mühle zum Maismahlen
kaufen, damit kann man immer Geld verdienen. Und für meine Kinder wünsche ich mir eine gute Ausbildung. Sie können dann Geld verdienen und mir helfen, wenn ich alt bin.
Thomas Herr Glikpo, sehen Sie Unterschiede zwischen unseren Kulturen?
Yao Glikpo Wir Ewe teilen uns in zwei 2 Kulturen: Die Christen und die, die an die kleinen Götter glauben.
Die Religion unserer Väter. Bei den Deutschen gibt es nur einen Gott. Außerdem sind die Deutschen reich und wir arm.
Thomas Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten?
Yao Glikpo Die Deutschen und die Ewe sind liebenswürdige Menschen.
Thomas Haben Sie schon viele Deutsche kennen gelernt?
Yao Glikpo Vielleicht 50? Aber ich höre immer Deutsche Welle Radio. Das wird in Englisch ausgestrahlt. Dort
habe ich auch von dem schrecklichen Krieg im Irak gehört. Wir sollten den Wert des menschlichen Lebens achten und lieber verhandeln, anstatt Krieg zuführen. Ich weiß, dass drei Viertel der Menschheit in
völliger Armut lebt – ich bin selber ein armer Mann – und kann nicht verstehen, warum die Reichen jetzt auch noch die Armen erschießen. Die Reichen sollten sich mit den Armen an einen Tisch setzen, denn
wenn man einem menschlichen Wesen gegenüber sitzt, dann merkt man, dass wir doch alle ein Herz haben und die Reichen werden teilen.
Thomas Herr Glikpo, was ist Ihnen am Wichtigsten?
Yao Glikpo Ich liebe Kinder.
Thomas Haben Sie ein Lieblingsessen?
Yao Glikpo Salat. Seit ich Sie kenne auch noch die rote Wurst aus Ihrem Dorf.
Thomas Möchten Sie zum Abschluss noch etwas zu den Menschen in meiner Heimat sagen?
Yao Glikpo Ich Grüße all die Leute als liebe Freunde und sende gute Wünsche an die ganze Nation. Wir
sollten versuchen auf unserer Welt nur noch ein Land zu haben. Dann haben wir alle die gleichen Ziele und können uns verstehen. Die Reichen sollten den Armen helfen, damit Gott ihnen einmal einen Preis
dafür bezahlen kann.
Thomas Herr Glikpo, ich danke Ihnen für das Gespräch.
Ich sende Euch allen
liebe Grüße
Togomas
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