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Kpalimé und die Heimat vom 24. August 2002 Alle Bilder auf dieser Seite können durch anklicken vergrössert werden und sind mit einer kurzen Beschreibung versehen.
Liebe Freunde,
hoffe es geht Euch allen gut. Eigentlich sollte Ich bald mal was über meine Arbeit berichten, aber das gibt es dann das
nächste Mal, denn heute möchte ich etwas über die Heimat und ihre Rolle für jemanden, der in der Fremde lebt, schreiben. Anraff feiert an diesem Wochenende sein zwölfhundertjähriges Jubiläum und
das bietet dazu natürlich ganz besonderen Anlass. Wie fast jeder, der in der Ferne weilt, lerne auch ich meine Heimat besonders schätzen, kann nur sagen, dass diese einen großen Teil meiner
Gedanken einnimmt. Meine Heimat – da muss ich schon weit ausholen... Zunächst ist da natürlich das im grünen Edertal gelegene Anraff, dann der Edersee, Bad Wildungen mit seiner besonderen
Qualität, das Waldecker Land, welches seine Eigentümlichkeit noch immer behält, Deutschland und auch Europa, dass von so vielen großen Kulturen belebt wird. Ja, Europa ist für mich schon ein naher
Begriff und hier in Afrika wird man oft gefragt: “Sie sind Europäer, nicht wahr? Aus welchem Teil Europas stammen Sie denn?“. Es macht meine europäische Heimat aus, wenn ich dann, als Deutscher und
unserer Ordnung und Gründlichkeit wegen, besonders geschätzt werde. Eigenschaften, die in unserer Vergangenheit für große Unmenschlichkeit ausgenutzt wurden und die ich, im wiedervereinigten
Deutschland lebend und mich unserer Demokratie verpflichtet fühlend, doch als Teil meiner Herkunft und Identität begreife. Ich stamme aus einer Generation, die wie so viele Andere, in einer neuen
Weltordnung ihren Platz sucht und berufe mich auf diese Eigenschaften, denn wir können mit deren Einsatz so vielen Menschen hilfreich sein. So vielen, deren Heimat nicht wie unsere mit einem
sozialen Netz ausgestattet ist, welches das Leben so unbeschwert machen kann und so viele Möglichkeiten bietet. Der „Sieg der freien Welt“ am Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre hat ja nicht
zur Verbesserung der Lebenssituation des größten Teiles der Menschheit geführt, vielmehr ist nur eine Handvoll Superreicher mit Vorteilen daraus hervorgegangen und den Unzähligen, die eh schon im
Elend lebten, geht es heute noch schlechter. Diejenigen Leser, welche vor oder während des 2. Weltkrieges geboren wurden, können sicher viel über schlechte Zeiten und die Suche nach Heimatgefühl
erzählen. Nur einer von zehn(!) Menschen lebt heute in einer Welt wie unserer, einer Heimat, welche eine wirkliche Zukunft bieten kann. Die Heimat der Menschen hier im westafrikanischen Kpalimé gehört
nicht dazu – wir haben es also gut getroffen. Haben deshalb aber große Verantwortung gegenüber denen, denen es schlechter geht als uns. Mein Bruder brachte mir bei seinem Urlaub die liebvoll
ausgearbeitete Anraffer Dorfchronik Wolfgang Lübcke’s mit, welche schwerlich ihresgleichen finden wird. Ich bin also, trotz der 6.000 km Entfernung, nah dran und denke oft an Anraff - an die alten
Fachwerkhäuser mit ihren unauffindbaren Verstecken, den Bachgraben, den Roten Berg, die Streiche meiner Kindheit und die Schelte die nicht ausblieb. Es gibt sicher keinen schöneren Ort auf dieser Welt
und ich freue mich schon darauf all das wiederzusehen. Ich wäre, zumindest an diesem Wochenende, am liebsten dort und würde gerne mit den Reelingen feiern - im schönen Anraff an der Eder mit seinen
lieben und gutherzigen Menschen. Könnt Ihr hingehen?
Mir geht es hier gut und in der Heimat, da glühen meine Sterne (Hans Albers)
liebe Grüße
Togomas
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