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Reise nach Kara vom 30. März 2003 Alle Bilder auf dieser Seite können durch anklicken vergrössert werden und sind mit einer kurzen Beschreibung versehen.
Liebe Freunde,
hoffe es geht Euch allen gut. Letzte Woche unternahm ich eine Reise nach Kara, um an einer Sitzung von Lehrerinnen teilzunehmen,
welche sich für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der togoischen Gesellschaft einsetzen. Begleitet wurde ich von zwei
Lehrerinnen aus Kpalimé, die in diesem Bereich engagiert sind. Kara liegt ca. 400 km nördlich von Kpalimé und ist bereits Übergangsgebiet in die trockene Sahelzone. Die bevorstehende Sitzung und der Übergang von der tropischen Vegetation Kpalimés in die fast Sahellandschaft Karas, versprachen also drei interessante Tage. Aber noch etwas sollte interessant sein – die Reise mit zwei Afrikanerinnen.
Ich hatte mit den beiden Damen ausgemacht, dass ich sie um 7 Uhr abholen wolle. Da die Sitzung erst am nächsten Tag stattfand, hätte es auch gelangt später aufzubrechen, aber ich musste daran denken
was die Afrikaner über uns Europäer sagen: “Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit”. Als ich um 7 Uhr bei Madame Taffamé ankam, präsentierte sie mir fröhlich ihre Nichte und deren kleinen Sohn. Diese
würden mit nach Atakpamé fahren, der ersten Etappe auf unserer Reise. Nachdem Unmengen von Gemüse, Obst und Gepäck auf der Ladefläche verstaut waren, konnten wir Madame Sokoumba abholen und begannen dann
um 8 Uhr in meinem völlig überladenen Auto die Fahrt. In Deutschland hätte ich sicher auf Pünktlichkeit gedrängt und auch das Auto wäre nicht überladen worden, aber ich wollte mich auf die afrikanische
Mentalität einlassen. In Afrika hat Geduld einen ganz anderen Stellenwert wie bei uns: Stundenlanges Warten ist normal, Reisen dauert im Allgemeinen viel länger. Während meines bisherigen Aufenthaltes in
Afrika konnte ich vier verschiedene Möglichkeiten feststellen, mit denen Afrikaner die Zeit überbrücken: Singen, laute, scheinbar völlig durcheinander gehende Unterhaltungen, Schlafen oder ein an Trance
erinnernder Gemütszustand bei dem ein leerer Blick aufgelegt wird. Ungeduld, wie sie bei uns aufkommen kann, ist sehr selten. Noch bevor wir Kpalimés Ortsgrenze hinter uns hatten schliefen Nichte und
Sohn, Madame Taffamé und Madame Sokoumba hatten sich für den leeren Blick entschieden. Ein peinliches Gefühl, wie es Schweigen in unserer Kultur hervorrufen kann, ist den Afrikanern fremd und so machte
auch ich mir nichts daraus. Unsere Fahrt ging entlang des schönen Togo-Atakora-Gebirges und nach 1 ½ Stunden waren wir in Atakpamé. Die Landschaft ist hier schon wesentlich kahler aber immer noch grün.
Hier angekommen erwachten alle mit lautem Gerede und wir setzten Madame Taffamés Nichte und Sohn samt Gemüse und Obst ab, welches auf dem hiesigen Markt verkauft werden sollte. Noch mal 2 ½ Stunden
später waren wir in dem bereits trockenen Sokodé, einer überwiegend muslimischen Stadt, welche zu deutscher Kolonialzeit einen nicht unwichtigen Handelsort darstellte. Hier gab es wieder eine
Überraschung, denn wie mir Madame Taffamé jetzt sagte, sei Sokodé ihr Geburtsort und wir würden bei ihrer Familie für einige Stunden rasten. Nach der Begrüßung bekamen wir eine Mahlzeit aus Hirsebrei und
einer Soße, die so unvermittelt scharf war, dass ich heftig husten musste und sich dadurch alle anderen zu ausgelassener Heiterkeit veranlasst sahen. Mir wurden die ganze Familie und 50 - 60 Nachbarn
vorgestellt, denn ich war so etwas wie ein Ehrengast. Um 15 Uhr drängte ich dann doch auf unseren Aufbruch und um 16 Uhr waren wir im heißen und von gelblich-brauner Landschaft geprägten Kara angekommen.
Bei der Sitzung am nächsten Tag wurden über die starke Benachteiligung der Frauen in Togo diskutiert und verschiedene Aktivitäten geplant. Frauen tragen die Hauptarbeitslast in den großenteils
bitterarmen Familien und haben kaum die Möglichkeit sich zu entwickeln. So besuchen in Togo ca. 70 – 80 % der Jungen eine Schule, jedoch nur ca. 30 % der Mädchen. Eine Ausbildungsmöglichkeit ist selten
und ein Studium so gut wie unerreichbar. Dank des Engagements von immer mehr mutigen Frauen, zeichnet sich aber langsam eine Entwicklung ab, die langfristig auf eine Verbesserung hoffen lässt. Wie in
allen Bereichen stellt die Armut der Bevölkerung dabei das größte Hindernis dar. Am nächsten Morgen kauften wir noch große Mengen Erdnüsse, Ingjam und Baumwolle auf dem Markt von Kara ein, welche die
beiden Frauen in Kpalimé verkaufen wollten. Das Gehalt eines Berufsschullehrers, der wie die beiden Frauen bereits seit über 20 Jahren im Schuldienst ist, beträgt gerade mal 60,- Euro im Monat und so
konnte ich nichts dagegen haben, wenn mein Auto zwar wieder bis an die Hutkrempe beladen war, aber die Beiden von der Mitfahrgelegenheit profitieren wollten, um sich etwas dazu zuverdienen. Die Heimreise
verlief ähnlich wie die Hinfahrt, nur aß ich in Sokodé lediglich 2 Bananen und die Schneiderlehrerin Madame Taffamé und die Maurerlehrerin Madame Sokoumba waren auf Grund des zu erwartenden Geschäftes so
gut gelaunt, dass sie zu meiner Unterhaltung viele afrikanische Liedchen anstimmten.
Mir geht es hier gut und ich sende Euch allen
liebe Grüße
Togomas
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