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Vollversammlung vom 19. Oktober 2002 Alle Bilder auf dieser Seite können durch anklicken vergrössert werden und sind mit einer kurzen Beschreibung versehen.
Liebe Freunde,
hoffe es geht Euch allen gut. Ich habe eine stressige Woche hinter mir, denn ich war im heißen Lomé auf der jährlichen
Vollversammlung des DED (Deutscher Entwicklungsdienst). Alle Kollegen aus Togo kamen: Helmut aus Dapaong, Natalie aus Niamtogou, Regine aus Kara, Detlev aus Lomé, um nur einige zu nennen. Insgesamt
sind wir, neben den afrikanischen Kollegen, 23 Europäer: 17 Entwicklungshelfer, 3 Entwicklungsstipendiatinnen, 1 Sekretärin, 1 Verwaltungsassistentin und 1 Landesdirektor. Der DED arbeitet partizipativ,
d.h. die Entwicklungshelfer können bei der Gestaltung der Arbeit im DED mitwirken und die Vollversammlung wird aus genau diesem Grund abgehalten. Thema war ein Ausstiegskonzept für den DED aus Togo zu
entwickeln, denn man will sich bis 2005 zurückziehen. Wie überall sind auch die DED-Kassen lehr und da das politische System in Togo „entwicklungspolitische Erfolge“ nur begrenzt ermöglicht, entschied
man in der Zentrale in Bonn, sich aus Togo zurückzuziehen, wie auch aus weiteren 2 der 45 Länder in denen der DED tätig ist. Wir Entwicklungshelfer bedauern das sehr, glauben, mit unserer Arbeit gerade
dem kleinen Mann zu helfen und die Zivilgesellschaft zufördern, aber bei dieser Entscheidung wurde die Partizipation ausgesetzt. Trotz allem gingen wir an die Arbeit und hatten nach 4 Tagen einen schon
recht detaillierten Fahrplan für die kommenden 3 Jahre aufgestellt. Am Dienstagmorgen kam der deutsche Botschafter, Dr. Papenfuß, hinzu und informierte uns über die politische Situation Togos, denn am
27. Oktober sind Parlamentswahlen (wenn man das so nennen kann) und da gilt es einige Vorkehrungen zutreffen; z.B. sollen wir an diesem Tag das Haus möglichst nicht verlassen. Anschließend hielten zwei
Togoerinnen aus Sokodé einen Vortrag zum Stand der weiblichen Genitalverstümmelung in Togo, ein Thema welches uns alle erschüttert. Einer Tradition zu folge werden jungen Mädchen die Klitoris und
teilweise auch die Schamlippen weggeschnitten, um Untreue vorzubeugen. Dies geschieht oft nur mit einer Scherbe oder Rasierklinge, ohne Betäubung und auf dem Lehmboden einer Hütte. Die 6–9 jährigen
Mädchen müssen während der blutigen Beschneidung von 4 Personen an Armen und Beinen festgehalten werden. Viele sterben innerhalb kurzer Zeit an den Folgen. Die beiden Damen arbeiten für eine Gruppe die
sich zum Ziel genommen hat die Bevölkerung zu sensibilisieren und dieser grausamen Tradition ein Ende zusetzen. Die Bemühungen tragen auch schon erste Früchte und ein Umdenken, gerade bei den jungen
Leuten, findet langsam statt. Die Regierung hat ein Verbotsgesetz erlassen und nach und nach erkennen die Menschen, dass sie einem Irrglauben anhängen. In Togo sind nur einige Landstriche von dieser
Praxis betroffen, während im Sudan, Ägypten oder etwa dem Tschad praktisch die gesamte Gesellschaft mit dieser Tradition lebt. Viel Aufklärungsarbeit ist notwendig und wer sich informieren oder an der
dringend benötigten Hilfe beteiligen möchte, denn Geldmittel sind knapp, kann dies über den Verein INTACT e.V. (Johannisstrasse 4, D-66111 Saarbrücken, Tel. 0681-32400, www.intact-ev.de ) einer Initiative von Christa Müller, der Frau von Oskar Lafontaine. Die heutigen Zeilen sind bedrückend, aber ganz allgemein ist ja das
Leben der meisten Menschen in der Welt eben sehr sehr hart und weit entfernt von unserem Wohlstand. In Zeiten der wirtschaftlichen Globalisierung, in denen es der ausufernde Kapitalismus aller
Menschlichkeit schwer macht, müssen wir die Augen öffnen für die großen Probleme wie Hunger, Naturzerstörung oder wenig beachteter Grausamkeiten wie der oben Beschriebenen, denn unsere Welt hört nicht an
den Grenzen unseres Landes auf. Ignorieren wir weiterhin, werden unsere Grenzen eines Tages vielen dieser Probleme nicht mehr stand halten. Am letzten Abend der Vollversammlung lud uns dann unser
Landesdirektor zu sich nach Hause ein und wir konnten die vergangenen Tage mit einem netten Abend abschließen. Überhaupt bot die Versammlung auch schöne Seiten, denn man konnte sich endlich mal wieder
ausführlich auf Deutsch unterhalten und außerdem fand sie in einem Restaurant am Meer statt - wir nahmen schon morgens und in der Mittagspause ein Bad im lauwarmen Golf von Benin, gedachten lächelnd dem
deutschen Herbst. Anbei ein Gruppenfoto von uns, den Entwicklungshelfern des DED in Togo.
Mir geht es hier gut und ich sende Euch allen
liebe Grüße
Togomas
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