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Was trinkt man in Togo? 05/03

Was trinkt man in Togo? vom 10. Mai 2003
Alle Bilder auf dieser Seite können durch anklicken vergrössert werden und sind mit einer kurzen Beschreibung versehen.

Liebe Freunde,

hoffe es geht Euch allen gut. Vor einigen Wochen besuchte ich zum ersten Mal eine Sodabi-Bar in Kpalimé und mir kam die Idee heute etwas über die Trinkgewohnheiten in Togo zuschreiben.
Zunächst einmal gibt es ein Getränk, dass mit Abstand am meisten verzehrt wird – Wasser. In Kpalimé selber gibt es eine gute Wasserversorgung, sodass man durchaus das Leitungswasser trinken kann. In den Dörfern der Umgebung gibt es keine Wasserleitungen. Wenn nicht gerade ein Bach am Dorf vorbei fließt oder ein Brunnen in der Nähe ist, müssen die Frauen oft lange marschieren, um Wasser zufinden und dieses dann in großen Schüsseln auf dem Kopf nach Hause tragen. Meist ist die Qualität auch noch schlecht. Leider gibt es zu wenige Projekte, welche sich mit Wasserversorgung und Brunnenbau beschäftigen und ein Kollege, der für den DED in Kamerun in einem Brunnenbauprojekt arbeitet, erzählte zu dem noch eine interessante Geschichte, welche die Vielfalt der Probleme in der Entwicklungshilfe zeigt. Da wo neue Brunnen gebaut werden und der lange Weg zum Wasserholen wegfällt, kann es in bestimmten Fällen dazu führen, dass es in den Familien plötzlich mehr Streit gibt. Die viele Zeit, welche die Frauen beim Wasserholen miteinander verbringen und die oft als Ventil genutzt wird um Probleme zu besprechen, fehlt wenn ein Brunnen vor der Tür existiert und so müssen die Ehemänner viel öfter als Diskussionspartner dienen, wo sonst Rat und Verständnis einer Freundin gefragt ist. Eine Aufgabe, zu welcher es den Männern nicht nur in der afrikanischen Kultur oft an Geduld und angemessener Kompetenz mangelt.
Soviel zum Wasser. Aber wo trifft man sich am Abend? Nun, hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. In fast jeder Strasse Kpalimés findet sich eine kleine Bar die zumeist aus einer kleinen Hütte, ein paar einfachen Stühlen und Tischen davor, einem Kühlschrank und einer Musikanlage besteht. An den Wochenenden feiert und tanzt die Jugend Kpalimés zu lauter afrikanischer Musik in einigen der Bars, in der Woche geht es jedoch ruhiger zu. Man sitzt in lockerer Runde unter dem wunderschönen Sternenhimmel und trinkt Cola, Limonade oder Bier. Das Bier in Togo ist schon etwas Besonderes, denn es wird in einer Brauerei in Togos Hauptstadt Lomé hergestellt, welche in den 70er Jahren von der bayerischen EKU gebaut wurde. Lager, Pils und EKU heißen die deutschen Sorten, Flag die Französische. Ein Bier, das in einer 0,66 ltr Flasche serviert wird, kostet etwa 0,60 EUR und ist trotz des so günstig erscheinenden Preises für den größten Teil der Bevölkerung nicht erschwinglich. Wer sich also kein Bier leisten kann, trifft sich mit seinen Freunden zu Hause und man verzehrt selber hergestellten Palmwein oder Tschuk. Um den säuerlich schmeckenden Palmwein herzustellen, wird eine meist alte Palme gefällt. In den am Boden liegenden Stamm wird eine suppenschüsselgroße Kuhle geschlagen und der Saft, welcher sich im Stamm der Palme findet, vergährt und sammelt sich in der Kuhle. Von da aus tropft er durch ein Loch in ein Gefäß. Tschuk, ebenfalls säuerlich, wird aus Hirse hergestellt, welche mit Wasser in einem Tontopf vergoren wird. Beide Getränke sind alkoholhaltig und könnten in weiterem Sinne etwa mit einem Federweißen verglichen werden. Eine weitere Spezialität ist der Sodabi, ein in Hinterhöfen auf abenteuerliche Weise gebrannter hochprozentiger Schnaps aus Palmwein. Man trinkt Sodabi entweder mit Freunden zu Hause, oder geht in eine Sodabi-Bar, was ich mit zwei DED Kolleginnen vor einigen Wochen zum ersten Mal tat. Die ca. 4 x 5m große und in schäbigem Blau gestrichene Bar befand sich in völliger Unordnung. Stühle und Tische waren wild durcheinander, hinter dem Tresen stand, auf einem dünnen Ast kauend, Tante Assibetse, die Wirtin. Es hatte ganz den Anschein, als habe sie bereits einige routinemäßige Proben an den halb mit Kräutern gefüllten Sodabi-Flaschen vorgenommen. Dies sei nicht einfach Sodabi, sondern Medizin. Da gab es die durch den Inhalt an verschiedenen Kräutern gekennzeichneten Sorten „Bon pour le ventre“ (gut für den Bauch), „Bon pour le palu“ (gut bei Malaria) oder etwa „Bon pour l'homme“ (gut für den Mann). Letzteren pries sie mir lächelnd und augenzwinkernd an. Wir bestellten jeder einen Sodabi und sie füllte uns drei Wassergläser zur Hälfte voll. Ich war über die Menge erstaunt, denn ein solcher etwa 5-facher Schnaps kostet gerade mal 8 Cent. Zur Erzielung des gewünschten Heilungserfolges seien mindestens drei Gläser notwendig, so Tante Assibetse. Ich bezweifelte dass, hatte eher die Befürchtung bereits nach einem Glas zu erblinden. Na ja, man muss zumindest einmal in einer solchen Bar gewesen sein. Den Besten Sodabi gibt’s ohnehin auf der Farm von Kartoffel-Rudi, der besitzt nämlich eine hervorragende Destillieranlage und stellt einen Obstler aus Bananen, Ananas oder Mangos her, welcher ohne Weiteres mit deutschen Spitzenprodukten konkurrieren kann.  

Mir geht es hier gut und ich sende Euch allen

liebe Grüße

 
Togomas

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